© Freiburger Nachrichten; 18.10.2011 :

© Freiburger Nachrichten; 13.09.2011; Seite 2

Schwerpunkt

Poya-Brücke – eine von vielen

Mireille Rotzetter

Brückenstadt Freiburg: Brücken prägten und veränderten das Stadtbild von Freiburg seit seiner Gründung. Sie trugen dazu bei, dass Freiburg im Mittelalter gleich viele Einwohner hatte wie Bern oder Zürich und diesen Städten wirtschaftlich das Wasser reichen konnte. Nun wird die Poya-Brücke gebaut. Wie wird sie das Gesicht Freiburgs verändern?

Brücken waren für Freiburg stets wichtig. Die ersten Holzbrücken entstanden im 13. Jahrhundert, direkt nach der Gründung der Stadt. Als Weg über die Saane garantierten sie im Mittelalter, dass Handelsleute in Freiburg Halt machten und so die Wirtschaft antrieben. Mit dem technischen Fortschritt wurden die Brücken länger; sie wurden in luftigeren Höhen und aus anderen Materialien gebaut, wie Gérard Bourgarel vom Verein für Denkmalpflege Pro Freiburg erklärt. Von 1832 bis 1834 entstand die Grosse Hängebrücke – sie war damals die längste Hängebrücke der Welt und verband den Schönberg mit dem Burgquartier. «Bis anhin war Freiburg eine gewöhnliche Stadt, mit der Grossen Hängebrücke wurde sie zum Sonderfall», sagt Bourgarel.

Zentrum wandert aufwärts

Die Grosse Hängebrücke war jedoch nicht nur eine bauliche Sensation – sie veränderte das Gesicht Freiburgs erheblich. Es fand eine Zentrumsverlagerung statt. War das Auquartier vorher Knotenpunkt der Stadt, verlor es mit der Grossen Hängebrücke seine Bedeutung, da es von Durchreisenden schlicht nicht mehr passiert wurde. «Die Altstadt schlief ein», erzählt Gérard Bourgarel. Das Leben fand nun oben statt, und die Neustadt begann, sich zu entwickeln. Bald führte dies zum Bau einer Bahnlinie, was auch den Bau einer Brücke, der Grandfey-Brücke, erforderte.

Eisenskelett Grandfey

Der Bau der Eisenbahnlinie belastete die Staatskasse, die Finanzlage in Freiburg war um 1850 angespannt. Dennoch war sie eine wichtige Investition, zusammen mit der Autobahn und der Universität verhalf sie der Stadt in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu wirtschaftlichem Aufschwung. Die Grandfey-Brücke war nach der Grossen Hängebrücke eine weitere technische Pionierleistung. Sie wurde 1862 fertiggestellt und war die erste Eisenbrücke überhaupt, deren Fachwerk nicht nur Zug, sondern auch Druck aufnehmen konnte. Sie war damals aus Eisen, ihr Gitterwerk erinnerte an den Eiffelturm. «Die Grandfey-Brücke war einmalig, doch da die Züge immer schwerer wurden, gab es Risse und die Brücke musste einbetoniert werden», sagt Bourgarel.

Brücke eingebrochen

Der Denkmalpfleger könnte zu jeder Brücke Freiburgs eine Geschichte erzählen und erklären, welchen Einfluss sie auf das Stadtbild hatte. Besonders einschneidend für die Entwicklung der Brückenbauten war laut Bourgarel ein Unfall auf der Galtern-Brücke. 1919 fuhr ein zu schwer beladener Lastwagen darüber – ein Teil der Brücke brach ein, der Lastwagen stürzte in die Tiefe. Dies war der Grund dafür, dass die Grosse Hängebrücke 1924 durch die Zähringer-Brücke ersetzt wurde. Bis die Galtern-Hängebrücke durch die heutige Steinbrücke ersetzt wurde, dauerte es allerdings fast 40 Jahre. «In Freiburg laufen die Dinge langsam», sagt Bourgarel dazu schmunzelnd.

Und die Poya-Brücke?

Die Liste der Brücken in Freiburg ist lang, mit der Poya-Brücke wird sie noch länger. Wie sie das Stadtbild verändern wird, das wird sich trotz aller Diskussionen (siehe unten) erst zeigen, wenn die Brücke steht.

Früher prägten Hängebrücken das Bild Freiburgs. Nach dem Teil-Einsturz der Galtern-Brücke (links) wurde die Grosse Hängebrücke (rechts) durch die steinerne Zähringer-Brücke ersetzt. Bilder © Kantons- und Universitätsbibliothek, Freiburg. Fonds Benedikt Rast (links), Fonds Victor Buchs (rechts)

Unter dem Betonmantel der Grandfey-Brücke (links) versteckt sich das alte Eisengerüst. Die im Entstehen begriffene Poya-Brücke verlängert die Liste der Brücken in Freiburg und wird das Stadtbild verändern. Bilder Melanie Rouiller (links), Alain Wicht (rechts)

Dieser Beitrag schliesst die FN-Sommer- serie rund um die Poya-Brücke ab.

Zahlen und Fakten

Die Eckdaten zu den Brücken Freiburgs

Galtern-Brücke: Diese Brücke wurde 1840 als Hängebrücke konstruiert. 1919 stürzte ein zu schwer beladener Lastwagen von der Brücke. Im Jahr 1960 ersetzte man sie durch eine Betonbrücke. Diese ist 76 Meter hoch und 150 Meter lang.

Grosse Hängebrücke: Die 246 Meter lange Brücke wurde zwischen 1832 und 1834 erbaut. Damals war sie die längste Hängebrücke der Welt. Sie verband das Burgquartier mit dem Schönberg.

Zähringer-Brücke: Sie wurde 1924 erbaut und ersetzte die Grosse Hängebrücke.

Perolles-Brücke: 1920 wurde sie erbaut und 1997 renoviert. Sie ist 82 Meter hoch und 382 Meter lang und verbindet Freiburg mit der Gemeinde Marly.

Grandfey-Brücke: Von 1858 bis 1862 entstand zwischen Düdingen und Freiburg eine 380 Meter lange Eisenbrücke. Wegen Mängeln wurde sie 1925 mit Beton umhüllt.

St.-Johann-Brücke: Die Brücke im Neustadtquartier wurde 1746 erbaut. Früher war sie aus Holz.

Mittlere Brücke: 1720 erbaut, ersetzte die Mittlere Brücke eine Holzbrücke von 1275. Sie ist 70 Meter lang und verbindet das Au- mit dem Neustadtquartier.

Bern-Brücke: Die 40 Meter lange Holzbrücke im Auquartier wurde 1250 erbaut und mehrmals restauriert.

Poya-Brücke: Die Idee für die Brücke entstand bereits in den 50er-Jahren. 2006 hiess das Volk das aktuelle Projekt gut, 2010 begannen die Bauarbeiten. Das gesamte Projekt sollte 2014 fertig werden. Die Brücke ist gut 850 Meter lang. mir

Pierre-Olivier Nobs: «Nur das Burgquartier wird profitieren»

Die Poya-Brücke wird das Gesicht der Stadt Freiburg verändern, davon ist Pierre-Olivier Nobs, Politischer Sekretär der Freiburger Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS), überzeugt. Dass diese Veränderungen nicht nur positiv sind, davon ist er ebenso überzeugt. «Einerseits wird es eine Aufwertung des Burgquartiers geben.» Die Lebensqualität der Anwohner werde verbessert, das historische Erbe – zum Beispiel die Kathedrale – aufgewertet. Letzteres habe zur Folge, dass mehr Touristen ins Quartier kämen, und so profitiere auch das Gewerbe im Quartier. Insgesamt rechnet Nobs damit, dass es wegen der Verminderung der Verkehrsbelästigungen eine Wertsteigerung der Immobilien geben wird.

Andererseits wird die Brücke laut Nobs für den Rest der Stadt hauptsächlich negative Auswirkungen haben. «Das Verkehrsproblem wird kaum gelöst werden.» In der Altstadt könne Mehrverkehr entstehen. Ausserdem führe die Poya-Brücke schlicht an den falschen Ort, so dass es in Granges-Paccot zu Staus komme. «Es ist noch nicht klar, wie den Bussen auf dem St.-Leonhard-Platz Priorität gegeben werden soll.»

Für Nobs ist es unabdingbar, dass die Begleitmassnahmen des Projekts – zum Beispiel die Schliessung der Zähringer-Brücke für den Privatverkehr oder die Förderung des öffentlichen Verkehrs – umgesetzt werden. Dies auch, damit das Zentrum um den Bahnhof und das Burgquartier attraktiv bleiben und keine Zentrumsverlagerung stattfindet. «Es müssen sehr häufig Busse verkehren, und diese dürfen nicht im Stau stehen.» Zudem sei es wichtig, in der Agglomeration ein attraktives Parkingnetz zu erstellen. «Und schliesslich ist die Kommunikation wichtig, die Leute müssen wissen, dass sie ohne Auto in die Stadt gelangen können.» mir 

 

© Freiburger Nachrichten; 09.09.2011; Seite 4

Kanton Freiburg

Stadt Freiburg mit neuem Kurierdienst

«Cabamobil» heisst das neue Angebot im Stadtzentrum. Unterstützt wird es von der Gemeinde, dem Arbeitsamt, dem VCS und den Einkaufszentren.

Carolin Foehr

Freiburg Andere Städte haben es vorgemacht, nun erhält auch Freiburg einen eigenen, mit E-Bikes ausgestatteten Kurierdienst: «Cabamobil». In der Galerie des Fribourg-Centre können an einem Schalter die Einkäufe abgegeben werden, zwei Kuriere chauffieren sie bis zur Haustür. Wer nach dem Einkaufsbummel noch etwas vorhat, kann sich die Einkaufstaschen auch später liefern lassen. Frischprodukte wie Joghurt können gelagert werden, die Tiefkühlpizza sollte man aber direkt nach Hause schicken. Die Fahrt kostet für eine Einkaufstasche fünf, für mehrere zehn Franken.

Das Angebot ist aus einer Forderung der städtischen Agenda 21 entstanden. Gemeinderat Thierry Steiert betonte gestern anlässlich der offiziellen Eröffnung, dass alle Passanten den Dienst nutzen könnten, und nicht nur jene, die im Fribourg-Centre oder im Manor einkauften.

Ausbau erwünscht

Bislang beschränkt sich das Angebot auf die Stadt Freiburg. Laufe das Angebot aber erst einmal an, so Nordmann-Holding-Direktor Alain Deschenaux, sei eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden denkbar. Die Geschäfte der Galerie, des Fribourg-Centre und Manor zahlen die 30 000 Franken für die beiden Velos und den Schalter. Die Betriebskosten schätzt Deschenaux auf jährlich 120 000 Franken. Hier beteiligen sich zu gleichen Teilen die Stadt, das Arbeitsamt und die Geschäfte.

Auch zeitlich bleibt das Angebot bescheiden: Die Kuriere arbeiten montags, mittwochs und samstags. «Die Erfahrung anderer Städte zeigt, dass es einige Wochen braucht, bis der Dienst ausgelastet ist», so Pierre-Olivier Nobs vom Freiburger VCS. Er erinnerte daran, dass besonders Fahrten für Einkauf und Freizeit Mehrverkehr in den Städten schafften.

Das Projekt hat auch eine soziale Komponente: Der Dienst wird ausgesteuerte Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger anstellen. Sie erhalten dadurch Chance auf eine berufliche Wiedereingliederung.

© Freiburger Nachrichten; 08.07.2011; Seite 5

Seebezirk

VCS will für alle Gemeinden ein Parkplatzkonzept

Die Gemeinden des Kantons Freiburg erhalten dieser Tage vom Verkehrs-Club der Schweiz Inputs für die Ortsplanungsrevisionen.

Freiburg Geht es nach der Freiburger Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), sollen alle Gemeinden des Kantons verdichtetes Bauen fördern und ein Parkplatz-Konzept erarbeiten. Die Parkplatzbewirtschaftung ist bisher lediglich für Gemeinden über 5000 Einwohner sowie touristische Zentren gesetzlich vorgeschrieben. Nun hat der VCS einen Brief verschickt, mit dem er kleinere Gemeinden auf sein Anliegen aufmerksam macht. «Viele Gemeinden denken nicht an die Verkehrsreduktion, wenn sie ihre Ortsplanung revidieren», sagt Pierre-Olivier Nobs, politischer Sekretär des VCS Freiburg. Mit dem Schreiben wolle der Verein konstruktiv dazu beitragen, die Situation in den Gemeinden zu verbessern. Die Vorschläge für anstehende Ortsplanungsrevisionen sind: verdichtetes Bauen und damit kürzere Wege zum öffentlichen Verkehr, Velo- und Fusswege fördern und Parkplatzkonzepte. Auch kleine Gemeinden sollen mit Tarifsystemen und Anwohner-Vignetten-Systemen die Parkplätze bewirtschaften; es müssten weniger neue Parkplätze gebaut werden, wenn die bestehenden besser genutzt würden. Dies sei ein entscheidendes Instrument, um den übermässigen Auto-Gebrauch einzudämmen. hpa

© Freiburger Nachrichten; 8. juin 2011

Schwerpunkt

CSP will einen Sitz im Staatsrat

Die Christlichsozialen treten im Herbst mit dem Freiburger Generalrat und VCS-Sekretär Pierre-Olivier Nobs zu den Wahlen für die Kantonsregierung an.

Freiburg Er engagiert sich für den öffentlichen Verkehr und die Umwelt – und das möchte er künftig im Staatsrat tun: Der CSP-Politiker Pierre-Olivier Nobs kandidiert im Herbst für den Freiburger Staatsrat, wie die Zeitung La Liberté gestern berichtete. «Diese Kandidatur bedeutet eine grosse Ehre, aber auch viel Verantwortung», sagt Nobs den FN. Der Generalrat und politische Sekretär der Freiburger Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) möchte in der Kantonsregierung vermehrt Umweltthemen einbringen «und die Linke stärken».

Gemeinsame linke Liste

Deshalb ist Nobs eine gemeinsame Liste der linken Parteien wichtig: «Die Gemeindewahlen haben gezeigt, dass wir mit gemeinsamen Listen Sitze holen können.» Bei den Kantonswahlen am 13. November könne die Linke den Sitz des parteilosen und zurücktretenden Pascal Corminboeuf holen.

Die Grünen sprechen sich ebenfalls für eine gemeinsame Liste aus. Sie treten mit Marie Garnier, Gemeinderätin in Villars-sur-Glâne, zu den Staatsratswahlen an. «Wir diskutieren seit über einem Jahr mit der SP über eine gemeinsame Liste», sagt Kantonalpräsident Marc Antoine Messer. Erst in letzter Zeit hätten sich die Sozialdemokraten offen dafür gezeigt. «Für uns ist eine gemeinsame Liste nur logisch», sagt Messer. Drei SP-Kandidierende, ein CSP-Politiker und eine Grüne «sind die beste Möglichkeit, den dritten Sitz zu holen».

Das sieht auch SP-Kantonalpräsident David Bonny so: «Wir müssen die linken Kräfte bündeln, um den dritten Sitz zu gewinnen.» Nur so könne das jetzige ungefähre Gleichgewicht zwischen Links und Rechts im Staatsrat erhalten werden. «Holen FDP und SVP je einen Sitz, rutscht die Regierung nach rechts.» Noch müssten Details besprochen werden, doch sei die gemeinsame Liste beschlossene Sache.

«Wie eine Primärwahl»

Für Messer ist klar: «Der erste Wahlgang wird wie eine Primärwahl für unsere drei neuen Kandidaten sein.» Anders gesagt: Die bisherigen SP-Staatsräte Anne-Claude Demierre und Erwin Jutzet gelten als gesetzt. Die Neuen Xavier Ganoz (SP), Pierre-Olivier Nobs und Marie Garnier hingegen müssen wohl in den zweiten Wahlgang – und da wird sich die Linke auf einen einzigen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen müssen, will sie einen Sitz holen. Und so wie sich Messer äussert, ist klar: Der Bestplatzierte kommt weiter. njb

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© Freiburger Nachrichten; 20. mai 2011

Kanton Freiburg

Velo-Kurier-Dienst erst im Herbst startklar

Einkäufe bequem nach Hause chauffieren lassen und noch durch die Stadt bummeln – das soll in Freiburg bald möglich sein.

Freiburg Den Velo-Kurier-Dienst der Einkaufszentren Fribourg-Centre und Manor hatte alt Gemeinderat Charles de Reyff bereits für den Frühling angekündigt. Nun soll erst im Herbst der Startschuss erfolgen, sagte Pierre-Olivier Nobs vom VCS Freiburg gestern auf Anfrage. Grund für die Verspätung seien die Absprachen zwischen den Partnern. Der Verkehrsclub unterstützt das Projekt finanziell, ebenso wie die Stadt und der Kanton.

Wie weiter aus der Generalversammlung vom Mittwoch hervorging, will der VCS den Streit rund ums Grenette-Parkhaus nicht ruhen lassen. Vor einem Jahr hatte die Sektion zusammen mit Pro Freiburg gegen dessen Erweiterung um 120 Plätze Rekurs eingelegt. Dieser ist nun beim Kantonsgericht hängig. cf

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© Freiburger Nachrichten; 11. mai 2011

Schwerpunkt

Volk soll bei Atomfragen mitreden

Die CSP des Kantons Freiburg hat beim Grossen Rat die Volksmotion «Mehr Demokratie in Atomfragen» eingereicht. 563 Personen haben unterschrieben. Das obligatorische Referendum soll eingeführt werden.

URS HAENNI

Der Text der gestern eingereichten Volksmotion verlangt vom Staatsrat einen Gesetzesentwurf, welcher das obligatorische Referendum in Atomfragen einführt. Betroffen wären jedes kantonale Gesetz und jede Stellungsnahme und allgemeine Bestimmung des Kantons gegenüber dem Bund. Die in der Motion vorgesehenen Themen sind: die Nutzung der Atomenergie und radioaktiver Substanzen, der Transport radioaktiver Materialien, die Lagerung und Zwischenlagerung radioaktiver Substanzen. Ausdrücklich ausgenommen von der Motion sind radioaktive Materialien für Forschung und Medizin.

563 Unterschriften, 563 AKW

Die Christlich-soziale Partei (CSP) hat gestern morgen die Volksmotion mit 563 Unterschriften dem Sekretariat des Grossen Rates übergeben. Für eine Volksmotion sind 300 Unterschriften das Minimum; die Initianten haben aber eine symbolische Zahl gewählt, sind doch bisher weltweit 563 Atomkraftwerke gebaut worden.

An einer Pressekonferenz erklärte CSP-Grossrat Benoît Rey, man habe die Form einer Volksmotion gewählt, weil bei einem nuklearen Zwischenfall ganz konkret die Bevölkerung betroffen sei. 102 000 Freiburger leben in einem Umkreis von 20 Kilometern des AKWs Mühleberg, und der Fall Fukushima habe gezeigt, wie Wohnraum und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

CSP-Nationalrätin Marie Thérèse Weber-Gobet wies darauf hin, dass die Unterschriftensammlung bereits im Januar startete, also vor Fukushima. Nun, da nationale Projekte aufs Eis gelegt seien, möge man sich fragen, ob die Motion noch vonnöten sei. Aber sie sagte: «Die Option Kernenergie ist in der Schweiz nicht vom Tisch.»

Gleichzeitig präsentierte die CSP Alternativen. Wie der Freiburger Generalrat Pierre-Olivier Nobs aufzeigte, habe man in der Schweiz ein Potenzial von 18 Terawattstunden (TWh) beim Stromsparen sowie 25 TWh bei den erneuerbaren Energien. Dies übersteige die aktuelle Produktion der Schweizer AKW von 25 TWh massiv.

Die Unterschriften der Volksmotion werden nun geprüft, danach hat der Staatsrat fünf Monate Zeit, sich dazu zu äussern. Würde sie angenommen, wäre Freiburg der achte Kanton mit einer solchen Regelung.

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© Freiburger Nachrichten; 2. mars 2011

Saubere Fasnacht kommt teuer zu stehen

Carolin Foehr

Pierre-Olivier Nobs freut sich auf die Fasnacht. Wirklich. Nur eines ist ihm in den falschen Hals geraten. Als Bewohner der Unterstadt kennt er nur zu gut das Übel, das alle Jahre wieder die Bolzenfasnacht trübt. Und das, wie der CSP-Mann am Montagabend im Freiburger Generalrat düster vorhersagte, dem Ruf dieses schönen Volksfestes erheblich schaden könnte. Er fragte deshalb den Gemeinderat, ob nicht wirksame Vorkehrungen getroffen werden könnten – um die alljährlichen Unbelehrbaren davon abzuhalten, ständig gegen die Hauswände zu urinieren.

Ein ernstzunehmendes Thema, wie die Antwort des Chefs der Stadtpolizei Charles de Reyff zeigte. Er verriet der Versammlung, dass schon öfter über die heikle Frage des Urinierens auf öffentlichen Plätzen debattiert wurde. Bereits hätten Polizeibeamte üble Straftäter, in flagranti erwischt, zu Bussen verdonnert. Auf dass die Plage ein für allemal ausgemerzt werde, präsentierte der Gemeinderat auch gleich die Allheillösung: Trotz «erheblichem finanziellen Aufwand» sei es den Fasnachtveranstaltern dieses Jahr gelungen, für Pissoirs zu sorgen. Ein Erfolg! Dagegen wäre die Einführung von Mehrweggeschirr doch ein Klacks …

© Freiburger Nachrichten; 27. avril 2011; 3

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© Freiburger Nachrichten; 15. février 2011

Sensebezirk

«Umfahrung im Programm ist ein Risiko»

Die Freiburger Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) setzt sich ein zweites Mal dafür ein, dass die Agglomeration Freiburg die Umfahrungsstrassen Düdingen und Marly-Posieux nicht ins Agglomerationsprogramm integriert. Pierre-Olivier Nobs erklärt weshalb.

karin aebischer

Die erste Auflage des Freiburger Agglomerationsprogramms wurde 2008 vom zuständigen Bundesamt abgelehnt. Die zweite Auflage muss bis Ende 2011 eingereicht werden, damit eine Chance besteht, aus dem nationalen Agglomerationsfonds Gelder zu erhalten. Zurzeit läuft die Ausarbeitung des Programms. «Die Agglomeration Freiburg muss diesmal wirklich darauf achten, dass die Kriterien des Bundes eingehalten werden», sagt Pierre-Olivier Nobs, politischer Sekretär der Freiburger Sektion des VCS. Die FN wollten von ihm wissen, weshalb er fürchtet, dass die Agglomeration Freiburg bei der Verteilung der Bundesmittel noch einmal leer ausgehen könnte.

Pierre-Olivier Nobs, weshalb gehören Umfahrungsstrassen Ihrer Ansicht nach nicht ins zweite Freiburger Agglomerationsprogramm?

Wer den Bericht des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) zum ersten Freiburger Agglomerationsprogramm liest, erkennt, dass Freiburg mit Umfahrungsstrassen keine Chancen auf Bundesgelder hat. Der VCS hatte die Agglo schon bei der Ausarbeitung des ersten Programms davor gewarnt.

Was sagt das Bundesamt für Raumentwicklung?

Das ARE bezeichnet das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Umfahrungsstrasse Düdingen als ungenügend und die Wirkung der Strasse als schwach. Eine Arbeitszone zu schaffen, die nur mittels Strassen erschlossen werden kann, gehört gemäss ARE nicht zu den Zielvorstellungen eines Agglomerationsprogramms. Wer nach diesen Aussagen die Strasse trotzdem ins Freiburger Programm integriert, ist naiv und setzt sehr viel aufs Spiel.

Was wird aufs Spiel gesetzt?

Eine Umfahrungsstrasse ins Agglomerationsprogramm zu integrieren ist ein Risiko für alle Gemeinden der Agglomeration Freiburg, die Subventionen für den Langsamverkehr erwarten. Und in diesem Bereich hat die Agglomeration Freiburg einen enormen Rückstand aufzuholen. 91 Millionen Franken sollen bis 2015 nur in den Langsamverkehr investiert werden.

Hat denn Düdingen Ihrer Meinung nach kein Verkehrsproblem?

Doch, sogar ein grosses, vor allem in Richtung Autobahn. Aber die Umfahrungsstrasse ist nicht die Lösung. Jedes Mal, wenn man neue Strassen baut, kreiert man mehr Verkehr, und das kostet wiederum. In Düdingen müssen der Langsamverkehr mittels Fuss- und Velowegen und auch der öffentliche Verkehr durch bessere Busverbindungen nach Freiburg oder gar einen Ortsbus gefördert werden, um das Dorfzentrum zu entlasten. 70 Prozent des Verkehrs ist Binnenverkehr, der Rest Transitverkehr. Wäre es andersrum, müsste man eine Umfahrung in Erwägung ziehen.

Der VCS glaubt nicht an die Realisierung der Umfahrungsstrasse. Der Grosse Rat hat aber bereits einen Verpflichtungskredit von neun Millionen Franken gesprochen, und die Planung läuft.

Von diesen neun Millionen sind 5,3 Millionen Franken für Landkäufe ausgegeben worden. Das ist kein verlorenes Geld für den Kanton Freiburg. Das Land kann sogar teurer verkauft werden. Wichtig ist auch, dass zuerst die Wirkung der Poyabrücke auf den Verkehr in Düdingen abgewartet wird. 2014 wissen wir über den Effekt Bescheid und können dann weitersehen.

Verein VoVD: «Strasse belastet Aussenquartiere»

In einer Medienmitteilung äussert sich der Verein für die optimale Verkehrserschliessung von Düdingen (VoVD) zum Bericht eines Expertenkollegiums, der die Aufnahme der Umfahrungsstrasse Düdingen in das auszuarbeitende Freiburger Agglomerationsprogramm in Frage stellt (FN vom 22. und 15. Januar). Der VoVD findet diese Kritik absolut gerechtfertigt. Er ist der Überzeugung, dass die Gemeinde Düdingen für ihre Entwicklung keine Umfahrungsstrasse braucht.

Keinen «Oberlandverkehr»

Die Industriezone Birch liege bereits direkt an der Autobahn und werde durch die Verbindungsstrasse Birch- Luggiwil erschlossen, schreibt der VoVD in seinem Communiqué. Vor allem aber durch die Fertigstellung der Poyabrücke verspricht sich der Verein eine hohe Entlastung für die Hauptstrasse Düdingens. Der «Oberlandverkehr» würde somit nicht mehr über Düdingen geführt, sondern eben über die Poyabrücke. «Durch eine Realisierung der Umfahrung von Düdingen würde die versprochene Entlastung durch die Poyabrücke für Düdingen und den Sensebezirk aufgehoben», teilt der VoVD mit.

Aussenquartiere belastet

Für den VoVD ist der Bau der geplanten Umfahrungsstrasse von Düdingen eine Verlagerung der Probleme in die Aussenquartiere Santihans, Rächholderberg, Ottisberg, Düdinger Moos, Zelg und Jetschwil. Diese würden durch den Durchgangsverkehr auf der neuen Strasse massiv belastet. «Förderung der Lebensqualität sieht anders aus», schreibt der VoVD. Der Verein stört sich auch an den Eingriffen in die Landschaft, die der Bau hervorrufen würde.

Das Problem des selbst verursachten Verkehrs könne in Düdingen in Zukunft mit dem bestehenden Strassennetz, dem Valtraloc-Konzept, Ortsbussen, den Langsamverkehrsachsen und der Realisierung der Raumplanungsziele praktisch gelöst werden.

Der Bau der Autobahnausfahrt Fillistorf/Frieseneit hingegen sei anzustreben, findet der VoVD. «Durch diese regionale Lösung wird das Sense-Unterland direkt angefahren. Düdingen und Flamatt können vom Durchgangsverkehr weitgehend befreit werden.» Selbstverständlich müssten gemäss VoVD auch hier die ökonomischen und ökologischen Werte einfliessen und die bestmögliche Variante ausgewählt werden.

Keine überholten Lösungen

Der Verein will sich weiter dafür einsetzen, dass nicht an einer «überholten» Verkehrslösung festgehalten wird, sondern an einer «nachhaltigen Lösung für die Zukunft». ak

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© Freiburger Nachrichten; 8. février 2011

Kanton Freiburg

CSP lanciert eine Volksmotion für «Mehr Demokratie in Atomfragen»

Das Freiburger Stimmvolk soll sich künftig zu Fragen betreffend Nutzung von Atomenergie und Transport und Lagerung von radioaktivem Material äussern können. Dies will die CSP mit einer Volksmotion erreichen.

Walter Buchs

Freiburg «Unsere Volksmotion, die wir lancieren, ist nicht als Ausstieg aus der Kernenergie gedacht. Wir wollen primär die Volksrechte stärken.» Dies hat CSP-Kantonalpräsident Philippe Wandeler am Montag in Freiburg vor den Medien betont. Mit dieser Volksmotion würden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihre Meinung in Atomfragen endlich äussern können. Die CSP möchte natürlich von der Gelegenheit profitieren, um darzulegen, dass sie entschieden gegen neue AKW ist.

Nationalrätin Marie-Thérèse Weber-Gobet wies darauf hin, dass heute im Kanton der Staatsrat allein für Stellungnahmen zu Atomanlagen zuständig ist. «Der Souverän soll in diesem Kanton etwas zu sagen haben, wie es mit der Atomenergie weitergehen soll», begründete die CSP-Nationalrätin die Initiative ihrer Partei. Dabei erinnerte sie daran, dass heute der Souverän in sechs Kantonen ein Mitwirkungsrecht hat, darunter in den Kantonen Waadt, Neuenburg sowie Bern, wo dieses Wochenende abgestimmt wird.

Mehr Mitwirkung

Grossrat Benoît Rey, der kürzlich zum gleichen Thema eine Anfrage an den Staatsrat gerichtet hatte, hielt fest, dass der Staatsrat über einschlägige Fragen ungenügend kommuniziere, wenn er Stellungnahmen abzugeben hat. Mit der geplanten Volksmotion solle dies geändert werden.

Laut Rey will die Volksmotion eine Änderung von Artikel 45 der Staatsverfassung erwirken. Danach sollen neu dem obligatorischen Referendum unterstellt sein: «Jede Stellungnahme, jedes Gesetz oder jede allgemeine Verfügung über die Nutzung, den Transport und die Lagerung von Atomenergie und radioaktivem Material.»

Wie Kantonalsekretär Diego Frieden am Montag vor den Medien ergänzte, will die CSP die Volksmotion mit den nötigen 300 Unterschriften vor dem Sommer einreichen. Laut Kantonalpräsident Wandeler erwägt die Partei die Lancierung einer Verfassungsinitiative, sollte der Grosse Rat die Motion nicht überweisen. Dazu bräuchte es dann aber 6000 Unterschriften.

Die Schweiz komme «problemlos ohne neue Kernkraftwerke» aus, legte CSP-Generalrat und Sekretär des VCS Freiburg Pierre-Olivier Nobs dar. Nach seiner Auffassung könne mit mehr Energie-Effizienz und Entwicklung neuer erneuerbarer Energien mehr erreicht werden, als die bestehenden fünf und ein neues AKW hergeben. Es bleibe noch ein Überschuss für neue Bedürfnisse. «Das ist nicht ein technisches Problem, sondern eine politische Frage», so Nobs.

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© Freiburger Nachrichten; 22. décembre 2010

Grossfreiburg

Kinder als Erwachsene

Seit kurzem zahlen Kinder in der Agglomeration Freiburg mehr Geld für den öffentlichen Verkehr.

Pascal Jäggi

Freiburg Beim Gottéron-Match gibts für Kinder ermässigten Eintritt, im Kino ebenfalls. Bisher hat auch das Billett für den Bus in der Zone 10 (Agglomeration Freiburg) weniger gekostet, nämlich 1.30 Franken. Seit dem Fahrplanwechsel haben die Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF diese Ermässigung aufgehoben. Neu zahlen unter 16-Jährige den reduzierten Preis von 2.20 Franken, der dem eines Erwachsenen mit Halbtaxabonnement entspricht (voller Preis: 2.90 Franken).

Dem VCS passt das gar nicht. «So werden Eltern vermehrt ihre Kinder mit dem Auto herumchauffieren», schreibt Pierre-Olivier Nobs, politischer Sekretär des VCS, in einem Communiqué. Nur bezahlbare Tarife hielten Kinder zum Gebrauch der öffentlichen Verkehrsmittel an, so Nobs.

Auch Daniel Mollard (SP), Generalrat in Marly, kritisierte den Entscheid an der letzen Sitzung. Der Gemeinderat versprach, die Sache zu prüfen.

Die TPF bestätigen die Erhöhung, relativieren sie aber. «Im ganzen Frimobil-Gebiet fahren Kinder mit dem reduzierten Tarif, den wir jetzt übernommen haben. Nur in der Agglo gab es bisher einen speziellen Kindertarif», erklärt Martial Messeiller, Pressesprecher der TPF, die Erhöhung. Seit 2006 der Tarifverbund Frimobil gegründet wurde, an dem unter anderem auch SBB und BLS beteiligt sind, hat sich die TPF diese Ausnahme geleistet, sagt Messeiller. Mit der allgemeinen Erhöhung der Frimobil-Tarife zum diesjährigen Fahrplanwechsel sei auch diese Ausnahme gefallen.

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© Freiburger Nachrichten; 18. décembre 2010

Grossfreiburg

TPF versprechen verbesserte Automaten

Die Freiburgischen Verkehrsbetriebe wollen ihre Billettautomaten benutzerfreundlicher machen. Allerdings werden sie weiterhin kein Rückgeld geben. Die Agglo wird sich an der Suche nach neuen Automaten beteiligen.

Pascal Jäggi

Freiburg Die immer wieder aufkommende Kritik der Fahrgäste ist bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben TPF angekommen: Sie überarbeiten ihre Billettautomaten. Bereits ab heute Samstag werde mit «gezieltem Einsatz von Farben» den Kunden die Bedienung und Handhabung der Automaten erleichtert, schreiben die TPF in einem Communiqué. «Kunden haben uns öfters vorgeworfen, dass die Automaten zu komplex sind», sagt Martial Messeiller, Pressesprecher der TPF, auf Anfrage, «hier wollen wir Abhilfe schaffen».

So steht jetzt beispielsweise in leuchtendem Blau und deutlich grösser als alle anderen Beschriftungen die Standort-Zone auf dem Automaten. In der Stadt Freiburg also die Zone 10, laut Messeiller der am meisten gewählte Zielort. Um ein Billett zu erhalten, muss die entsprechende Zone als Zielort eingegeben werden. Danach muss man nur noch wissen, ob zwischen dem Bahnhof und St. Leonhard sechs oder weniger Haltestellen liegen, da dies einen Preisunterschied macht (worauf nicht ganz so gross hingewiesen wird) – und schon ist ein Grossteil des Billettkaufs geschafft. Es sind übrigens nur fünf Haltestellen.

Ebenfalls neu sind Pfeile, die von den Texten auf die entsprechende Funktion hinweisen. Zusammen mit den Farben wird deutlich, wann welcher Schritt erfolgt», sagt Martial Messeiller.

Diverse Beschwerden

Die mangelhafte Kunden-freundlichkeit der Automaten hat bereits verschiedentlich zu Kritik Anlass geboten. Auf Facebook hat sich eine Gruppe namens «TPF-Automaten, gebt das Rückgeld!» gebildet. Immerhin über 500 Personen fordern das mittlerweile. Rainer Weibel (Grüne) und Pierre-Olivier Nobs (CSP) haben je ein Postulat im Generalrat Freiburg und im Agglomerationsrat eingereicht, die neue Automaten fordern.

So weit ist es zwar noch nicht, doch laut TPF müssen die Automaten in rund fünf Jahren sowieso ausgewechselt werden. «Wenn es gut läuft, können wir 2014 neue Geräte einsetzen», bekräftigt Martial Messeiller.

Für diesen Schritt wollen die Verkehrsbetriebe die Agglomeration Freiburg ins Boot holen. Gemeinsam soll dann das neue Modell ausgesucht werden. René Schneuwly, Präsident des Agglo-Vorstands, sagt, dass das Interesse auch aufseiten der Agglomeration gross sei. «Wir haben beschlossen, dass die Agglo mitreden wird, wenn grössere Investitionen bei den TPF anstehen», erklärt er. Das wird auch so im Rahmenvertrag festgehalten. Konkret wird der Vorstand informiert, wenn es so weit ist. Dieser wird dann die entsprechenden Vorschläge prüfen.

Noch immer kein Rückgeld

In der Zwischenzeit werden die 160 Automaten so präsentiert, dass den Kunden die Möglichkeit des Kaufs einer tpf-card ins Auge sticht. Diese erhält ein Kunde, wenn er mit einer Banknote zahlt. «Das war bisher offenbar zu wenig bekannt», so Messeiller.

An einem der grössten Kritikpunkte wird (noch) nicht gerüttelt. Die Kunden bekommen weiterhin kein Rückgeld aus den rot-weissen Geldschluckern. «Eins ist klar: Das sind keine neuen Geräte», hält Martial Messeiller fest, «diese Automaten umzurüsten, wäre zu aufwendig». Wenn die neuen Automaten kommen, werden sich die TPF mit der Möglichkeit der Geldrückgabe aber auseinandersetzen.

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© Freiburger Nachrichten; 8. mai 2010

Grossfreiburg

Das Metroprojekt klingt für viele zwar interessant, ist aber noch Zukunftsmusik

Die Freiburgischen Verkehrsbetriebe wollen eine unterirdische Verbindung für die Agglomeration Freiburg bauen. Die ersten Reaktionen fallen verhalten aus.

Pascal Jäggi

Eine zwölf Kilometer lange Metro zwischen Marly und Belfaux schwebt den Freiburgischen Verkehrsbetrieben TPF vor. Nun müssen die TPF das Geld für das Grossprojekt suchen. Offenbar ist dieses schon weit über Planspiele hinaus. «Es ist auf jeden Fall realisierbar», sagt Martial Messeiller, Pressesprecher der TPF, gegenüber den FN. Auch zu den Kosten seien mehrere Studien gemacht worden. «Im Vergleich mit anderen Projekten sind wir auf diese 750 Millionen Franken gekommen», so Messeiller. In den Kosten inbegriffen sind auch Schätzungen zur geologischen Situation. «Aber zu Überraschungen kann es natürlich immer kommen», meint Messeiller.

Das Projekt sei teilweise vergleichbar mit der Stadtmetro M2 in Lausanne. «Die automatisierte Technik wird dieselbe sein, doch die landschaftlichen Gegebenheiten sind natürlich völlig anders», erklärt Messeiller.

Eine völlig neue Idee sei das Projekt laut Messeiller auch nicht. «Seit 2001 haben wir uns Gedanken in diese Richtung gemacht», sagt er.

Abwarten bei der Agglo

Ein Teil des Agglo-Vorstandes wurde bereits vor zwei Wochen über den Stand des Projekts informiert. Der Präsident des Agglo-Vorstandes, René Schneuwly, sieht bei der Metro noch Unsicherheiten: «Wer finanziert das Ganze? Ohne Hilfe von Bund und Kanton kann die Agglo das sicher nicht alleine bezahlen.» Zudem gebe es in der Agglo noch andere Verkehrswege. «Was ist mit Villars-sur-Glâne und Düdingen? Auch hier bräuchte es Vorschläge», meint Schneuwly. Auf jeden Fall werde der Vorstand zuerst abwarten, wie sich der Staatsrat zum Thema äussert, hält Schneuwly fest.

Für den Richtplan der Agglo habe die Metro keine Auswirkungen, sagt Schneuwly. «Wir müssen kurzfristige Vorschläge machen, um Geld vom Bund zu erhalten.» Ein Projekt fürs Jahr 2025 sei da noch zu weit weg, so der Agglo-Präsident. Der überarbeitete Richtplan muss spätestens Ende 2011 beim Bund eingereicht werden. Die erste Version wurde noch getadelt, weil der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr zu wenig berücksichtigt worden waren.

Staatsrat ist interessiert

Der Staatsrat wird laut Martial Messeiller in den nächsten Tagen über die Details des Vorprojekts der Metro informiert. Thomas Gut, Pressesprecher von Staatsratspräsident Beat Vonlanthen, bestätigt dies. «Der Staatsrat ist sehr interessiert am Projekt, es entspricht seiner Strategie, den öffentlichen Verkehr zu fördern.» Das Projekt habe allerdings nicht der Staatsrat selber in Auftrag gegeben.

Rasche Lösungen gefordert

Pierre-Olivier Nobs, VCS-Sekretär und Agglo-Ratsmitglied, begrüsst das Projekt grundsätzlich. «Es ist schön, dass man sich über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in der Agglo Gedanken macht. Wir müssen aber heute schon andere Probleme lösen», meint Nobs, «beispielsweise die ungenügende Fahrtenmenge der Busse der städtischen Linien 1 und 4».

Nobs erinnert, dass er einst eine (oberirdische) Verbindung von Givisiez über den Bahnhof Freiburg ins Perolles vorgeschlagen habe. Bei den TPF will niemand bestätigen, dass dies etwas mit der Metro zu tun habe. «Die Idee mit der Metro haben die TPF ausgearbeitet», sagt Martial Messeiller.

Was ist mit der Kritik, dass es drängendere Verkehrsprobleme in der Agglomeration Freiburg gebe? «Wer sagt, dass nicht beides möglich ist? Wir können sowohl Fragen zu Busspuren und mehr Busfahrten allgemein in der nächsten Zeit angehen, als auch später das längerfristige Metro-Projekt realisieren», erklärt Messeiller beschwichtigend.

Ganz überzeugt von der Vision ist Pierre-Olivier Nobs nicht: «Wenn ich denke, wie schwierig es ist, die Probleme der Buslinie 1 zwischen Marly und Perolles zu lösen, wofür wir viel weniger Geld bräuchten, kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen, wie ein 750-Millionen-Projekt in der Agglomeration Freiburg entstehen soll.»

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© Freiburger Nachrichten; 21. janvier 2010;

Schwerpunkt

Kein Mehrverkehr beim Bahnhof

Der Kompromiss ist unter Dach und Fach: Auf dem Bahnhof Freiburg kann ein Bürogebäude gebaut werden. Im Parking wird aber nur eine halbe Decke für hundert Parkplätze eingezogen.

Nicole Jegerlehner

«Das ist ein Erfolg für die nachhaltige Entwicklung»: Pierre-Olivier Nobs von der Freiburger Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) ist zufrieden mit der Vereinbarung, welche VCS, Pro Velo, Stadt und Kanton Freiburg, die Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF, Losinger und Alcon gestern unterzeichnet haben. Und auch Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen (CVP) freut sich: «Ich bin sehr froh, konnten wir diese Konvention unterschreiben. So halten wir Alcon und die Arbeitsplätze.»

Bürofläche noch frei

Auf dem Dach des TPF-Bahnhofs, eingeklemmt zwischen Geleisen und Affrygasse, wird das Bauunternehmen Losinger ein Bürogebäude und fünfzehn Wohnungen bauen. Als Hauptmieter steht bereits der Augenheilmittelhersteller Alcon fest; weitere 6500 Quadratmeter Bürofläche sind noch zu vermieten, wie der Kanton gestern in einer Mitteilung schrieb.

Die Angestellten, die im sogenannten Agora-Gebäude arbeiten werden, brauchen Parkplätze. Dazu soll im bestehenden Bahnhof-Parking über die Hälfte der Halle ein Zwischenboden eingezogen werden, der Platz für hundert zusätzliche Parkplätze bietet, so dass am Schluss 300 Autos im Parkhaus parkieren können.

Weniger Parkplätze für TPF

VCS und Pro Velo hatten dafür gekämpft, dass nur die halbe Halle den Zwischenboden erhält; die Promotoren des Projekts wollten eigentlich mehr Parkplätze schaffen. Die beiden Organisationen haben auch erreicht, dass der Kanton Freiburg beim Thierrysturm (Tour Henri) 91 der insgesamt 133 Parkplätze aufhebt und ins Parkhaus verschiebt. Und die TPF halbieren die Anzahl der Parkplätze, die im Bahnhof ihren Mitarbeitenden zur Verfügung stehen, auf 50.

«Die TPF werden einen Mobilitätsplan für ihre Mitarbeiter erstellen», sagt Nobs. «Dank uns werden sie nun das Angebot ihres Unternehmers im öffentlichen Verkehr besser nutzen», fügt er lächelnd an.

Die Zahl der Parkplätze im Raum des Bahnhofs bleibt mit all diesen Umschichtungen stabil. «Die Zahl der Fahrten wird aber leicht abnehmen», sagt Nobs. Und auch Vonlanthen betont: «Das neue Gebäude generiert keinen Mehrverkehr, das ist uns wichtig.»

Kanton und Stadt verpflichten sich zudem, im Bereich des Thierryturms fünfzig neue Abstellplätze für Fahrräder zu schaffen und eine durchgehende Velo- und Fussgängerverbindung von der Murtenstrasse im St. Leonhard bis zum Bahnhof sowie eine Überführung über die Tivoli-Allee zu realisieren. Radweg und Überführung waren seit langem als Begleitmassnahmen zur Poyabrücke geplant. «Nun haben wir Stadt und Kanton an ihre Versprechen erinnert», sagt Nobs.

Station für 700 Velos

Die Situation wird auch sonst rosiger für Velofahrende: Beim Alten Bahnhof will die Stadt eine Velostation für 700 Fahrräder und eine Velowerkstatt bauen. «Damit haben wir sicherere Abstellplätze für Velos, denn heute werden rund um den Bahnhof sehr viele beschädigt», sagt Nobs. In der Velowerkstatt können Freiburgerinnen und Freiburger dereinst einfache Reparaturen selber vornehmen, wie Marcel Gutschner von Pro Velo den FN erläutert. «Zudem sind Projekte mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen vorgesehen», sagt er.

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